Netaudio Festivals 2005/2006 [ger]

(1) Netaudio.05 in Bern

“Wäre ich ein Emotionsticker, dann würden spontan die folgenden Assoziationen aus mir sprudeln, wenn man mich auf Netaudio 05 anspricht: Nette Menschen. Inspiration. Wunderbares Bern. Gastfreundlichkeit. Schweizer Netlabels. Liebe zur Musik. Freaks. Nerds. Noch mehr nette Menschen. Rauschzustand. Input. Weggeräumte Clichés. Rewind, please!” [Aus: phlow.net: Netaudio 05: Bern reichte die Bärentatze zum Talk und Tanz]

Die Netaudio 05 war ein Beispiel dafür, dass das Internet Menschen wirklich zusammen bringt. Viele Netlabel-Heads kannten sich bis dahin nur von Emails und ihren Aktivitäten im Netz. Was die Organisatoren von starfrosch.fm mit der netaudio.05 zum ersten Mal in der Netlabel-Geschichte zustande gebracht haben ist, dass sich die Netlabels direkt einem interessierten Publikum und den (Print)Medien einzeln vorstellen konnten. An Cocktailtischen aufgereiht, mit Laptop und großer Projektion versorgt, konnte man beeindruckt miterleben, wie locker, smart und durchdacht sich die einzelnen Netlabels und Künstler präsentierten.

Mit 13 verschiedenen Programmbeiträgen wurde der Weg der Eigenvermarktung, die Möglichkeiten des Internets und die unterschiedlichsten Einstellungen der Labelheads und Künstler dargestellt. Auch wenn diese Veranstaltung noch lange nicht ausgebucht war, war der erzeugte Resonanzkörper gewaltig.

„Die netaudio.05 hat gezeigt, dass das Netzwerken außerhalb des elektronischen WWW ein wesentlicher Bestandteil der Szene ist. Alle Netlabels, die nur im Netz bestehen und sich nicht nach draußen in die Clubs, Bars und zu den Menschen aus Fleisch und Blut drängen, werden „nur“ Liebhaber-Geschichten bleiben. Richtige Resonanz bekommt man bei Veranstaltungen der Netaudio 05, in der direkten Interaktion.“ [Aus: phlow.net: Netaudio 05: Bern reichte die Bärentatze zum Talk und Tanz]

(2) Netaudio V2.05 in Köln

“Zwischen plüschigen Sofas nebst schniekem Interieur, heißt es Ohren auf, denn die Crème der deutschen Szene schüttelt sich die Hand.” [Aus: phlow.net: Netaudio Gipfeltreffen V2.05]

Am 28. August 2005 fand dann das zweite Netaudio-Treffen des Jahres statt. Unter der Schirmherrschaft von Phlow.net, einem der führenden Magazine für Musik- und Netzkultur, startete das Netaudio-Gipfeltreffen V2.05. im smartesten Waschsalon im Herzen Kölns, dem „Cleanicum“. Im Gegensatz zur Berner Veranstaltung beschränkten sich die Kölner in ihrer Konzeption rein auf die Audio-Präsentation von Musik. Marcel und mo., die Moderatoren der Podcast-Sendung digital Phlow, präsentierten einen Nachmittag futuristische elektronische Sounds und führten Interviews mit den jeweiligen Künstlern und Labelmachern, um sie dem (Internetradio-) Publikum vorzustellen.


(3) Netaudio.06 in London

Ein nächster großer Schritt erfolgte mit der netaudio.06 in London. Das Candid Arts Center im Londoner Stadtteil Islington bot Mitte September 2006 den Schauplatz für die bislang größte Netaudio-Konferenz. Mit 900 Besuchern, über 6000 Online-Teilnehmern, 55 Künstlern, 7 Programmpunkten und ersten Sponsoring-Aktivitäten u.a. von Ableton (Live 6) sowie einer Medien-Berichterstattung durch die BBC, The Wire, Guardian Guide, Time Out und Süddeutsche Zeitung unterstrichen die Aktivisten des Cenatus Music Projects in Islington jene Aufbruchstimmung, die in der Netlabel-Szene zunehmend spürbar wird.

„Dieser Trend verstärkt sich durch den allgemeinen Aufschwung der digitalen Musikindustrie. Das Digital-Geschäft von Warner Music wuchs vergangenen Jahr um 36 Prozent. Der iPod, Apples tragbarer MP3-Player, hat mittlerweile schon 42 Millionen Käufer gefunden, 76 Prozent davon allein im letzten Jahr. Die Zahlen sind symptomatisch für eine Umstellung des derzeitigen Musikmarktes von handfesten Tonträgern zu digitalen Klangbibliotheken. Musikliebhaber kaufen ihre Musik immer öfter in Internetmusikläden und stopfen ihre Festplatten bis zum Anschlag voll. Kein Wunder also, dass man im Netz inzwischen auch virtuelle Musikverlage findet.“ [Aus: cafebabel: Netlabels - frei von den Zwängen der Musikindustrie]

Das internationale Festival funktionierte auf der Basis gemeinschaftlicher Ideale, manifest werdend in der cc-Idee und dem damit verbundenen kostenlosen Angebot hochwertiger Musikproduktionen als Download aus den Weiten des WWW. Die Organisatoren, Teilnehmer, Labelchefs und Musiker haben an Kraft gewonnen und setzen nach wie vor auf den Faktor der Vernetzung der europäischen Netlabel-Szene. Tagsüber saßen die Redner bei den Konferenzen und Diskussionen im Candids-Art-Center an weißen Tischen und erklärten den Zuhörern die Zukunft der Netlabels. Die Besucher wanderten dabei von Tisch zu Tisch und ließen sich von Netlabel-Betreibern, Creative Commons-Experten und Podcast- Organisatoren mit Informationen versorgen.

Wer Musik hören wollte, konnte im ersten Stock der Klanginstallation (hyperlanguage) lauschen oder den Weg in den Keller nehmen, um sich die Erzeugnisse von Netlabel-Künstlern anzuhören. Abends zogen Teilnehmer und Publikum in den benachbarten Club Elektrowerkz, um die Diskussionen und Theorien hinter sich – und die musikalische Praxis auf sich einwirken zu lassen.

Auffällig war die starke deutsche Präsenz auf der Konferenz. Mit vielen als Top-Künstlern der Szene gehandelten Liveacts und DJs, zahlreichen Labeln (Deutschland hat mit Abstand die größte Netlabel-Anzahl) und der international einmaligen netlag-Veranstaltungsreihe aus Berlin warben die Deutschen für ihre Idee, die Konferenz im Jahr 2007 nach Berlin zu holen. Mit Erfolg.

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